In den letzten Jahren haben Zentralbanken weltweit Tausende Tonnen Gold erworben, um ihre Währungsreserven zu diversifizieren und damit eine historische Rallye des Goldpreises zu fördern. Seit dem Beginn des Iran-Kriegs sind jedoch Berichte über umfangreiche Verkäufe aufgetaucht.
Adam Glapinski, der Präsident der polnischen Zentralbank, hat in den letzten zwei Jahren durch massive Goldkäufe zur Preissteigerung des Edelmetalls beigetragen. Kürzlich äußerte er jedoch die Überlegung, einen erheblichen Teil der Goldreserven zu verkaufen, um damit Aufrüstungsmaßnahmen zu finanzieren. Gleichzeitig haben mehrere andere Länder in den vergangenen Wochen größere Mengen Gold auf den Markt gebracht.
Die polnische Notenbank hat in den letzten Jahren etwa ein Viertel ihrer Währungsreserven in Gold umgeschichtet und verfügt nun über 550 Tonnen, was sie zu einem der zehn größten Goldbestände weltweit macht. Glapinski begründete diese Strategie mit der Notwendigkeit, für Krisensituationen vorzusorgen, ein Standpunkt, den viele seiner Kollegen teilen. Laut dem Branchenverband World Gold Council (WGC) kauften die Zentralbanken global von 2022 bis 2024 jeweils mehr als 1000 Tonnen Gold, während es 2025 noch gut 860 Tonnen waren.
Diese Käufe trugen maßgeblich zur Vervielfachung des Goldpreises in den letzten Jahren bei. Der Preis für eine Feinunze erreichte Ende Januar einen Rekordwert von fast 5600 Dollar, fiel jedoch seitdem um mehr als 1000 Dollar. Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar sank der Goldpreis zeitweise um rund 700 Dollar, aktuell liegt er bei etwa 4600 Dollar.
Verkäufe im Kontext der Krisen
Obwohl für die Zeit seit Beginn des Iran-Kriegs noch keine vollständigen Daten vorliegen, zeigen erste Berichte, dass die Zentralbanken in den ersten drei Monaten des Jahres ihre Goldbestände netto um mehr als 240 Tonnen erhöht haben. Dies steht im Einklang mit dem Preisrekord des Edelmetalls im Januar.
Nach dem Ausbruch des Krieges dürften die Verkäufe jedoch stark zugenommen haben. So verringerte die türkische Notenbank ihren Goldbestand im März um 131 Tonnen, nicht nur durch Verkäufe, sondern auch durch Swapgeschäfte, bei denen Gold gegen Devisen getauscht wurde, um die türkische Lira zu stabilisieren. Diese Währung steht seit dem Beginn des Krieges unter Druck, insbesondere durch steigende Energiepreise. Die Energiekrise hat viele Länder in eine schwierige Lage gebracht.
Entwicklungsländer, die stark von Energieimporten abhängig sind, benötigen aufgrund der gestiegenen Ölpreise zusätzliche Liquidität, um Devisen für den Energieimport bereitzustellen. So musste auch die Zentralbank Ghanas Gold verkaufen, um sich Liquidität zu verschaffen. Zu den größten Goldverkäufern in diesem Jahr zählt auch die russische Zentralbank, die laut „Moscow Times“ bis Ende März fast 22 Tonnen Gold verkauft hat, um Löcher im Staatshaushalt zu stopfen.
Gold als Krisenwährung
Die Verkaufswelle bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass die Zentralbanken weltweit ihre Goldbestände insgesamt abbauen. Einige Währungsbehörden nutzen offenbar die Preiskorrektur, um weiterhin kräftig zuzukaufen, darunter auch die polnische Notenbank, trotz der Verkaufsüberlegungen ihres Präsidenten. DIW-Präsident Fratzscher schlägt vor, Goldreserven zur Krisenbewältigung zu nutzen.
Die erhöhten Verkäufe im Zuge der Iran-Krise und der Rückgang des Goldpreises deuten laut WGC nicht darauf hin, dass Gold seine Rolle als „Krisenwährung“ oder „sicherer Hafen“ verloren hat. Im Gegenteil, die Entwicklungen verdeutlichen, warum Zentralbanken Goldreserven aufbauen. Shaokai Fan, ein Zentralbankexperte des WGC, erklärte, dass Gold ein liquider Wert sei, der sich in unsicheren Zeiten typischerweise gut entwickle und daher eingesetzt werden könne, wenn er benötigt wird. Für einige Zentralbanken scheint dieser Zeitpunkt nun in der aktuellen Iran-Krise gekommen zu sein.
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Bildquelle: Ibex73 via Wikimedia Commons (CC BY 4.0)