Mitten im Iran-Konflikt und einer globalen Energiekrise haben die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) beschlossen, die Opec zu verlassen. Diese Entscheidung, die bereits am 1. Mai in Kraft tritt, stellt eine erhebliche Herausforderung für das Erdölkartell und dessen führendes Mitglied Saudi-Arabien dar. Für den US-Präsidenten Donald Trump hingegen ist dies eine positive Entwicklung. Trump hatte der Opec wiederholt vorgeworfen, die Welt durch hohe Ölpreise auszubeuten. Zudem stellte er die militärische Unterstützung der USA für die Golfstaaten in Frage. Während die USA die Opec-Mitglieder schützten, profitierten diese von den hohen Preisen. Trump forderte in der Vergangenheit, dass die Opec die Produktion erhöhen sollte, um die Preise zu senken.
Die VAE kritisieren die Opec seit Jahren wegen ihrer Förderquoten, die als zu niedrig erachtet werden. Diese Quoten hindern das Land daran, größere Mengen Öl zu exportieren. In der Vergangenheit haben die Emirate erhebliche Investitionen in den Ausbau ihrer Förderkapazitäten getätigt. Laut einem Bericht über die Energiekrise ist die Situation für viele Länder angespannt.
Ölproduktion der VAE und strategische Überlegungen
Bis zum Ausbruch des Krieges im Nahen Osten förderten die VAE im März 3,4 Millionen Barrel Öl pro Tag, was mehr als 16 Prozent der gesamten Opec-Produktion ausmachte. Die Emirate streben an, bis 2027 eine Produktion von 5 Millionen Barrel pro Tag zu erreichen. Laut Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets, haben die VAE die Gelegenheit genutzt, sich während des Iran-Kriegs aus dem Bündnis zurückzuziehen. „Die hohen Erdölpreise bringen den Golfstaaten wenig, wenn sie sich an die festgelegten Förderquoten halten müssen“, erklärte er. Der Schritt spiegelt die Notwendigkeit wider, sich schnell von den finanziellen Folgen zu erholen.
Politische und wirtschaftliche Implikationen
Die Entscheidung der VAE könnte auch eine Neuordnung der Kräfte am Ölmarkt zur Folge haben. „Nach dem Ende des Iran-Konflikts werden viele Staaten versuchen, ihre Marktanteile zurückzugewinnen“, sagte Eckhard Schulte, Vorstandschef von MainSky Asset Management. Der Austritt der VAE könnte zudem die Position Saudi-Arabiens schwächen, das in der Vergangenheit am ehesten Disziplin bei den Förderquoten gezeigt hat. In einem anderen Kontext stellt Trump Merz‘ Kenntnisse in Frage.
Die erweiterte Opec+-Allianz wird auch ohne die VAE weiterhin etwa 40 Prozent der weltweiten Fördermenge kontrollieren. Dennoch sieht Jorge Leon, Analyst bei Rystad, im Austritt der VAE einen bedeutenden Wandel für das Bündnis. „Neben Saudi-Arabien ist das Land eines der wenigen Mitglieder mit nennenswerten Reservekapazitäten, die der Gruppe Einfluss auf den Markt verleihen“, so Leon.
Reaktionen und zukünftige Entwicklungen
Die Emirate haben auch andere arabische Staaten scharf kritisiert, weil sie während des Krieges nicht ausreichend Schutz vor iranischen Angriffen geboten haben. Die Emirate wurden in den letzten Monaten häufig mit Drohnen und Raketen angegriffen, was ihre Exportmöglichkeiten stark einschränkte. Zusätzlich zu den nationalen Interessen befürchten die VAE, dass fossile Brennstoffe in Zukunft an Bedeutung verlieren könnten. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, erklärte: „In der aktuellen Hochpreisphase besteht der Anreiz, so viel Öl wie möglich zu fördern und zu verkaufen, um mit den Erlösen den eigenen Strukturwandel zu finanzieren.“ Ein aktueller Bericht zeigt, dass BP im ersten Quartal unerwarteten Gewinn erzielt hat.
Der Austritt der VAE könnte auch andere Länder dazu ermutigen, ähnliche Schritte zu unternehmen. Laut de la Rubia birgt dies das Risiko, dass weitere Staaten dem Beispiel der Emirate folgen könnten, was die Stabilität der Opec weiter gefährden würde. Insgesamt zeigt die Entscheidung der VAE, die Opec zu verlassen, die komplexen geopolitischen und wirtschaftlichen Dynamiken auf dem globalen Ölmarkt und könnte weitreichende Folgen für die zukünftige Ölpolitik haben.
„`
Bildquelle: depositphotos