In Anbetracht des Klimawandels sollte die Nachhaltigkeit auch bei Investitionen eine zentrale Rolle spielen. Dennoch zeigt die aktuelle Entwicklung das Gegenteil, abgesehen von wenigen Ausnahmen.
Ressourcenverbrauch in Deutschland
Deutschland hat seine Ressourcen für das Jahr 2026 bereits am vergangenen Sonntag aufgebraucht. Dies geht aus den Berechnungen des Global Footprint Networks hervor, das jährlich den sogenannten Erdüberlastungstag für den Globus und einzelne Länder ermittelt.
Umweltverbände kritisieren, dass nach wie vor zu viel Öl, Gas und Kohle genutzt werden.
Die Bedeutung nachhaltiger Investitionen
Das Beispiel Deutschlands verdeutlicht, wie wichtig es wäre, dass die Bevölkerung nachhaltiger handelt – dies gilt auch für ihre Geldanlagen. In der Vergangenheit war es ein Trend, Geld zu verdienen und gleichzeitig in Unternehmen zu investieren, die hohe Umwelt- und Sozialstandards einhalten.
Aktuell zeigt sich jedoch ein gegenteiliger Trend. Die Bedeutung von Nachhaltigkeit bei Geldanlagen scheint nicht nur vorübergehend in den Hintergrund gerückt zu sein. Dies wird auch durch die finanziellen Neuregelungen ab Mai 2026 unterstrichen, die die Rahmenbedingungen für Investitionen beeinflussen könnten.
Rückgang der Mittelzuflüsse in nachhaltige Fonds
Die Finanzanalysefirma Morningstar hat festgestellt, dass im vergangenen Jahr weltweit 84 Milliarden Dollar aus nachhaltigen Fonds abgezogen wurden. Dies stellt den ersten Mittelabfluss seit 2018 dar, seitdem diese Daten erfasst werden.
Kevin Naumann von der Beratungsgesellschaft KPMG äußerte: „Die Katastrophen und Ereignisse, die wir in der Natur beobachten, zeigen: Wir müssten eigentlich noch viel mehr Mittel in nachhaltige Investitionen stecken, als dass wir sie abziehen.“
Einfluss geopolitischer Risiken
Der Rückzug der Investoren hat mehrere Ursachen. Ein Beispiel ist die Trump-Regierung in den USA, die gegen Nachhaltigkeitskriterien argumentiert, da sie diese als Teil einer angeblich „woken“ Agenda betrachtet.
Naumann erläuterte: „Wenn amerikanische Unternehmen mit weniger nachhaltigen Investitionen aktuell höhere Renditen erzielen, fließen logischerweise auch die Mittel dorthin. Die großen amerikanischen Anbieter setzen somit den Takt, dem wir in Europa folgen müssen.“
Zusätzlich kommen zunehmende geopolitische Risiken hinzu, wie der Krieg in der Ukraine, der Konflikt mit dem Iran und wirtschaftliche Umbrüche. Diese Faktoren führen zu einer Umschichtung von Investitionen: weg vom sogenannten Impact-Investing, bei dem eine nachhaltige Wirkung wichtiger ist als die Rendite, hin zu Anlagen mit weniger strengen Nachhaltigkeitskriterien, dafür aber höheren Renditen.
Langfristige Perspektive auf Nachhaltigkeit
Karsten Kührlings von GLS Investments, einer auf Nachhaltigkeit spezialisierten Fondsgesellschaft, betont, dass die Frage nach Rendite und Nachhaltigkeit langfristig betrachtet werden muss: „Man sollte dies auch aus Unternehmenssicht als eine Art Risikomanagement verstehen: Reputationsrisiken und Schäden vermeiden. In Zukunft sollte man mit Nachhaltigkeit besser abschneiden als in der Vergangenheit.“
Kührlings weist zudem auf mögliche nachhaltige Investitionen außerhalb der Börsen hin: „Unsere Infrastruktur in Europa, insbesondere in Deutschland, ist veraltet und nicht zukunftsfähig. Hier ergeben sich sehr interessante Möglichkeiten für Investoren, die sowohl Gutes tun als auch profitieren möchten.“
Erneuerbare Energien im Aufwind
In den letzten Wochen beobachten einige Analysten eine Wachstumsdynamik bei Energieinfrastruktur und Aktien im Bereich erneuerbare Energien. Stefan Riße vom Vermögensverwalter Acatis erklärt: „Das, was die erneuerbaren Energien jetzt vorantreibt, ist weniger der Klimaschutz, sondern die stark steigenden Energiepreise, insbesondere durch den Iran-Krieg.“
Die aktuelle Situation zeigt, dass der Wunsch nach nachhaltigen Investitionen nicht die treibende Kraft ist, sondern wirtschaftliche Faktoren.
Quellen: wallstreet-online, dws, investorenplattform