Im Jahr 2022 produzierten private Haushalte in der Europäischen Union insgesamt 910.000 Tonnen Textilabfälle. Dieses Müllproblem ist eng mit der Fast-Fashion-Industrie verbunden und hat sich seit den 1990er-Jahren kontinuierlich verschärft, was weitreichende negative Auswirkungen zur Folge hat. Diese Probleme treten häufig nicht in den Ländern auf, die für die Entstehung verantwortlich sind.
Von Fast Fashion zu Super-Fast-Fashion: Bis zu 9000 neue Designs pro Tag
In der Mitte der 2010er-Jahre waren bei großen Bekleidungsmarken noch sechs bis acht Kollektionen mit zahlreichen Designs pro Jahr üblich. Der Onlinehandel hat jedoch diese Entwicklung erheblich beschleunigt. Anbieter wie Temu oder Shein, die keine physischen Geschäfte betreiben, präsentieren täglich zwischen 6000 und 9000 neue Designs. Diese rasante Entwicklung hat zur Etablierung von Begriffen wie Super-Fast-Fashion oder Ultra-Fast-Fashion geführt.
Ein wesentlicher Faktor für diese Entwicklung sind Influencer und virale Trends, die dazu führen, dass bestimmte Kleidungsstücke plötzlich gefragt sind, obwohl sie nicht in großen Stückzahlen verfügbar sind. Fast-Fashion-Anbieter reagieren darauf, indem sie diese Lücken innerhalb von ein bis zwei Wochen schließen. So schnell wie Trends entstehen, verschwinden sie auch wieder, und die „alten“ Kleidungsstücke landen bestenfalls im Kleiderschrank oder direkt im Müll.
Umweltschäden durch Fast Fashion
Die Bekleidungsproduktion hat gravierende Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima. Synthetische Fasern wie Polyester werden aus Erdöl hergestellt, was bei der Produktion zur Freisetzung von Kohlendioxid führt. Zudem entstehen beim Tragen und Waschen Mikroplastikpartikel, die sich in der Umwelt ablagern. Schätzungen zufolge könnten bis zum Jahr 2050 bis zu 22 Millionen Tonnen Mikroplastik aus Bekleidung in die Ozeane gelangen.
Auch die Herstellung natürlicher Fasern hat negative Umweltauswirkungen. Der Baumwollanbau benötigt große Mengen Wasser, insbesondere in Regionen, in denen Trinkwasser knapp ist. Zudem ist der Einsatz von Pestiziden und Insektiziden auf Baumwollfeldern sehr hoch. Bei Färbe- und Waschprozessen gelangen Chemikalien ins Trinkwasser, und viele Stoffe werden in Ländern produziert, die über keine geeigneten Kläranlagen verfügen. Die dortigen Arbeiter sind oft unzureichend vor den gesundheitlichen Risiken der Produktionsbedingungen geschützt.
Laut der Europäischen Umweltagentur verbrauchte jede Person in der EU im Jahr 2022 im Durchschnitt 12.000 Liter Wasser und 523 Kilogramm Rohstoffe durch ihren Kleidungskonsum, was zu CO2-Emissionen in Höhe von 355 Kilogramm führte. Während auch hochwertigere Kleidungsstücke Umweltauswirkungen haben, ist die schnelle und kostengünstige Massenproduktion der Hauptverursacher des Problems.
Was die EU gegen Fast Fashion unternimmt
Angesichts der negativen Umweltauswirkungen plant die EU, die Fast-Fashion-Industrie strenger zu regulieren und in die Verantwortung zu nehmen. Diese Maßnahmen sind Teil eines Aktionsplans zur Förderung einer Kreislaufwirtschaft.
Bereits im Jahr 2022 wurde ein erstes Maßnahmenpaket vorgestellt, um den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen. Ziel ist es, die Nachhaltigkeit zu erhöhen, Produkte langlebiger zu gestalten, Abfall zu vermeiden und das Recycling zu fördern.
Im Hinblick auf Fast Fashion regelt die EU die Entsorgung von Altkleidung durch die Abfallrahmenrichtlinie. Nach der letzten Änderung dieser Richtlinie müssen sich Bekleidungsanbieter in jedem EU-Land registrieren, in dem sie Produkte verkaufen. Damit verpflichten sie sich, beim Sammeln von Alttextilien und alten Schuhen mitzuwirken. Dazu gehört unter anderem die Bereitstellung von Sammelcontainern sowie der Nachweis über das notwendige Fachwissen zur Entsorgung.
Zusätzlich sollen die Recyclingquoten für Altkleidung erhöht werden. Die EU-Richtlinie muss zunächst in nationales Recht jedes EU-Landes umgesetzt werden. Eckpunkte für Deutschland wurden Ende März vom Bundesumweltministerium vorgestellt, und das Gesetz soll im Juni 2027 in Kraft treten.
Kreislaufwirtschaft für eine nachhaltigere Modeindustrie
Die Kreislaufwirtschaft zielt darauf ab, den Lebenszyklus eines Produkts so weit wie möglich zu verlängern, um Abfälle zu minimieren. In der Textilbranche bedeutet dies, auf nachhaltige Ressourcen zu setzen, die Haltbarkeit von Kleidung zu erhöhen, Reparaturen zu ermöglichen und das Recycling auszubauen.
Obwohl recycelte Kleidung bei der Herstellung weniger Ressourcen benötigt als Neuwaren, geschieht dies nur selten. Weltweit werden weniger als ein Prozent aller Alttextilien zur Produktion neuer Textilien verwendet. Derzeit entstehen wesentlich mehr Kleidungsstücke aus recycelten PET-Flaschen.
In Deutschland werden jährlich rund eine Million Tonnen Altkleidung gesammelt. Davon werden 26 Prozent recycelt, während etwa 14 Prozent lediglich zu Putzlappen verarbeitet werden. Der größte Teil, etwa 54 Prozent, wird nach einer Wiederaufbereitung als Kleiderspende oder in Second-Hand-Geschäften wieder in Umlauf gebracht.
Die oft minderwertige Qualität von Fast-Fashion-Produkten erschwert jedoch die Wiederverwendung oder das Recycling. Moritz Jäger-Roschko von Greenpeace betont, dass die Folgen von Fast Fashion nicht nur problematisch sind, sondern auch die Produkte selbst nicht für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft geeignet sind. Billige Kleidung lässt sich schwer reparieren, und es besteht wenig Interesse, sie aus zweiter Hand zu kaufen.
Die Zukunft von Fast Fashion
Die Ökodesign-Verordnung und die Änderung der Abfallrahmenrichtlinie könnten dazu führen, dass Fast Fashion teurer wird, da das Geschäftsmodell der billigen Produktion und schnellen Entsorgung nicht mehr tragfähig ist. Die tatsächlichen Auswirkungen sind jedoch noch ungewiss.
Für Deutschland muss das Bundesgesetz zur EU-Abfallrahmenrichtlinie noch verabschiedet werden, und bis dahin können sich am ersten Entwurf noch Änderungen ergeben. Zudem sind die Kriterien, nach denen die EU die Haltbarkeit und Wiederverwendbarkeit bewerten möchte, noch nicht eindeutig festgelegt.
Die Strafen der EU-Mitgliedstaaten bei Verstößen gegen das Vernichtungsverbot müssen so hoch sein, dass sich nachhaltiges Wirtschaften für die Anbieter finanziell lohnt. Schließlich hat die EU keinen Einfluss auf die Bekleidungsproduktion außerhalb ihrer Grenzen.
Greenpeace fordert bereits jetzt deutlich schärfere Maßnahmen zur Eindämmung des Fast-Fashion-Angebots, darunter eine Sonderabgabe auf solche Produkte, die Finanzierung alternativer Angebote und Reparaturen sowie ein generelles Werbeverbot für Fast Fashion.
Unabhängig davon wird auch die Entwicklung der Nachfrage einen erheblichen Einfluss haben: Solange schnelllebige Trends den Markt dominieren, wird sich Nachhaltigkeit in der Modeindustrie kaum durchsetzen.
Quellen: deutschlandfunk
Bildquelle: Bildquelle: Artificial Photography auf Unsplash