Der Bedarf an elektrischen Energiespeichern nimmt weltweit zu, insbesondere durch die steigende Verbreitung von Elektrofahrzeugen. Auch für die Nutzung von Wind- und Solarenergie sind große Batterien erforderlich. Bislang dominieren Lithium-Ionen-Akkus den Markt, doch die damit verbundenen Kosten und geopolitischen Risiken führen zu einer intensiven Suche nach Alternativen. In diesem Kontext gewinnen Natrium-Ionen-Batterien zunehmend an Bedeutung.
Natrium-Ionen-Batterien bieten den Vorteil, dass sie nicht auf den kostbaren Rohstoff Lithium angewiesen sind. Natriumverbindungen, wie beispielsweise Kochsalz, sind in großen Mengen weltweit verfügbar. Die industrielle Produktion von Natrium-Batterien hat bereits begonnen, wobei China derzeit eine führende Rolle einnimmt.
Ein weiterer Vorteil der Natrium-Ionen-Batterien ist ihr potenziell niedrigerer Preis, ein geringeres Brandrisiko und eine bessere Leistung bei niedrigen Temperaturen im Vergleich zu Lithium-Akkus, die oft erst aufgeheizt werden müssen. Zudem zeigen einige Natrium-Batterien bereits Ladezyklen, die mit denen von Lithium-Modellen vergleichbar sind oder diese sogar übertreffen.
Fortschritte in der Forschung
Dennoch sind Natrium-Batterien nicht ohne Schwächen. Laut einer Analyse des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), die Anfang 2026 veröffentlicht wurde, ist die Energiedichte von Natrium-Ionen-Akkus geringer als die von Lithium-Batterien. Dies bedeutet, dass für vergleichbare Speicherkapazitäten größere und schwerere Batterien erforderlich sind. Auch die Leistungsdichte, also die Menge an Strom, die sie auf einmal abgeben können, war bislang geringer.
Eine neue Studie der RWTH Aachen zeigt jedoch, dass der Abstand zwischen Natrium- und Lithium-Batterien kleiner wird. In einem Vergleich von Natrium-Batterien des chinesischen Herstellers Hina mit Lithium-Batterien von Tesla konnten die Natrium-Akkus in Bezug auf Leistung und Fertigungsqualität bereits mithalten.
„Die Hochleistungsfähigkeit war besser, als man es von einem frühen kommerziellen Natrium-Ionen-Produkt erwarten würde“,
erklärte Co-Autor Moritz Schütte.
Marktentwicklung und Perspektiven für Europa
Weltweit bringen immer mehr Anbieter Natrium-Ionen-Akkus auf den Markt. Neben Hina ist der chinesische Hersteller CATL an vorderster Front. Ende April 2026 gab das Unternehmen bekannt, einen Großauftrag über 60 Gigawattstunden Batteriekapazität für stationäre Speicher erhalten zu haben. CATL erklärte, dass es die Herausforderungen der Massenproduktion von Natrium-Akkus überwunden habe und eine neue Phase bei der Kommerzialisierung der Natrium-Ionen-Technologie begonnen habe. Zudem warnen Experten vor möglichen Gasengpässen im kommenden Winter.
Auch der chinesische E-Auto- und Batteriebauer BYD sowie das britisch-indische Unternehmen Faradion stehen kurz vor der industriellen Massenfertigung von Natrium-Batterien. Trotz der gegenwärtigen Dominanz Chinas sehen Experten für Europa die Möglichkeit, durch Natrium-Batterien mehr Unabhängigkeit von globalen Lieferketten zu erlangen. Dies geht aus einer Studie des Fraunhofer-Instituts hervor, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde. Um dieses Potenzial zu nutzen, ist jedoch eine gezielte Förderung von Forschung und Entwicklung im Bereich der Natrium-Ionen-Batterien in Europa erforderlich. Hierbei ist auch zu beachten, dass die EU langfristige Strategien zur Sicherung der Arzneimittelversorgung verfolgt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Natrium-Batterien zwar noch einige Herausforderungen zu bewältigen haben, jedoch vielversprechende Fortschritte zeigen und als ergänzende Lösung für stationäre Stromspeicher sowie für kleinere Elektrofahrzeuge in Betracht gezogen werden können. Zudem warnen Speicherbetreiber vor möglichen Engpässen.
„`
Quellen: n-tv