Kondomhersteller Karex in der Krise: Politische Entscheidungen und steigende Kosten belasten das Geschäft
01.06.2026, 18:43 Uhr
Viele Branchen spüren derzeit die Auswirkungen der Politik des US-Präsidenten, darunter auch die Kondomhersteller. Besonders stark betroffen ist der Weltmarktführer aus Malaysia, das Unternehmen Karex, das unter mehreren Entscheidungen von Donald Trump leidet.
Malaysia hat eine lange Geschichte in der Kautschukproduktion und war über Jahrzehnte einer der wichtigsten Lieferanten für die globale Gummiindustrie. Heute ist Malaysia zwar nicht mehr die Nummer eins, hat jedoch weiterhin Nischenmärkte besetzt, insbesondere im Bereich der Kondomproduktion.
Jedes fünfte Kondom weltweit stammt aus Malaysia, einem Land mit lediglich 36 Millionen Einwohnern. Im Mittelpunkt dieser Industrie steht Karex, das nach eigenen Angaben mehr als fünf Milliarden Kondome jährlich produziert. Zu den Kunden zählen bekannte Marken wie Durex und Trojan sowie internationale Gesundheitsorganisationen und staatliche Beschaffungsprogramme. Hier beginnen jedoch die Probleme.
Ein Blick auf den Aktienkurs von Karex zeigt, dass das Unternehmen in Schwierigkeiten steckt. Seit dem vergangenen Herbst ist der Kurs um 36 Prozent gefallen. Karex hat das Problem offen angesprochen und erklärt, dass die Politik von Donald Trump ein makroökonomisches Worst-Case-Szenario für die Kondomindustrie geschaffen hat, das auch Karex direkt betrifft.
Geschäftsmodell nicht mehr krisensicher
Trump trifft die Branche an zwei Fronten: Zum einen durch Kürzungen bei internationalen Hilfsprogrammen, was die Nachfrage großer Gesundheitsorganisationen nach Verhütungsmitteln spürbar dämpft und vor allem das Exportgeschäft in den Globalen Süden belastet. Mit einer Exportquote von über 90 Prozent ist Karex hiervon besonders betroffen.
Zum anderen hat der Iran-Krieg zu einem Anstieg der Preise für Silikonöl geführt, einem wichtigen Rohstoff für Gleitmittel und Kondomverpackungen. Die Preise sind zeitweise um mehr als 30 Prozent gestiegen, was Karex versucht hat, an die Kunden weiterzugeben. Diese reagieren jedoch äußerst preissensibel, insbesondere in Schwellenländern.
Infolgedessen musste Karex das zweite Verlustquartal in Folge melden, was in der Regel für das Unternehmen, das als krisensicher gilt, ein Novum darstellt. Konsumenten haben in ärmeren Regionen der Welt wenig Alternativen. Zwar gab es auch bilanzielle Effekte wie den schwachen Dollar, doch das Minus von 12,7 Prozent beim jüngsten Quartalsumsatz übersteigt den Dollarverfall deutlich.
Ausweg Spezialisierung
Fraglich bleibt, ob Karex aus dieser Krise herausfinden kann, ähnlich wie nach der Corona-Pandemie. Das Geschäftsmodell scheint robust, da der Konzern oft nicht sichtbar in Erscheinung tritt. Ein erheblicher Teil der Produktion erfolgt im sogenannten OEM-Geschäft: Karex produziert für andere Marken, die die Produkte unter eigenem Namen vertreiben. Dies hält die Kosten niedrig, da kaum Marketingausgaben anfallen, erhöht jedoch die Abhängigkeit von Großkunden wie Durex, die leicht wechseln können. Kondome sind ein stark standardisiertes Produkt, was den Wettbewerb verstärkt, insbesondere durch Hersteller wie Thai Nippon Rubber Industry und Cupid Limited. Indische Hersteller wie Cupid gewinnen derzeit Marktanteile, da sie kostengünstiger produzieren können und in ruinöse Preiswettbewerbe eintreten.
Für Karex könnte eine Strategie in der Spezialisierung liegen. In Industrieländern wächst die Nachfrage nach Premiumprodukten. Das Unternehmen investiert verstärkt in Kondome aus synthetischem Nitril, einem dünnen Material, das weniger Allergien auslösen soll und langfristig kostengünstiger herzustellen sein könnte als herkömmlicher Naturkautschuk. Diese Technologie könnte Karex unabhängiger von den schwankenden Preisen für Latex machen. Allerdings basiert Nitril auf Erdöl, dessen Preisentwicklung ebenfalls schwer vorhersehbar ist.
Die finanzielle Lage von Karex bleibt jedoch solide. Trotz der Verluste in den letzten beiden Quartalen liegen die Cash-Bestände von 109 Millionen Dollar auf dem Niveau des Vorjahres und entsprechen dem Stand von 2016. Sorgen bereitet jedoch die Bruttomarge, die mit 27 Prozent deutlich unter dem Median der Branche von 37 Prozent liegt. Nicht alle Probleme lassen sich auf Trump zurückführen; viele sind auch hausgemacht. Dies könnte erklären, warum die Börse die Aktie so stark abgestraft hat.
Zusätzlich zur aktuellen Situation könnte die Taiwan-Frage und die Energiekrise in Europa ebenfalls Auswirkungen auf die globalen Märkte haben.
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Quellen: n-tv, stern