Am 7. Juni 2026 hat Schleswig-Holstein einen bedeutenden Schritt in Richtung digitale Unabhängigkeit unternommen. Die gesamte Landesverwaltung, die aus 60.000 Rechnern besteht, wird von proprietären Softwarelösungen wie Microsoft auf Open-Source-Systeme umgestellt. Staatskanzleichef Dirk Schrödter erläutert, dass der Staat die Kontrolle über seine Daten behalten muss, um digitale Souveränität zu gewährleisten.
Der Weg zur digitalen Souveränität
Vor der Umstellung setzte die Landesverwaltung, wie viele andere Institutionen weltweit, auf Microsoft-Produkte wie Office, Word, Excel, PowerPoint und Windows. Schrödter erklärt, dass diese Abhängigkeit von proprietären Lösungen problematisch ist, da der Quellcode nicht zugänglich ist und die Kontrolle über die Software beim Anbieter bleibt.
Die Notwendigkeit der Umstellung
„Wie souverän ein Staat ist, zeigt sich nicht nur in militärischer Stärke, sondern auch in der Kontrolle über digitale Infrastrukturen“, so Schrödter. Die Nutzung von Cloud-Technologien birgt Risiken, da der Schutz staatlicher Daten nicht garantiert werden kann. Daher sei es entscheidend, die Betriebsprozesse der IT-Systeme selbst beeinflussen zu können. Dies wird auch in dem Artikel über die Gründe und Auswirkungen der politischen Entscheidungen deutlich.
Schrittweise Migration auf Open-Source-Lösungen
Um die digitale Souveränität zu sichern, wird die Umstellung schrittweise vollzogen. Microsoft Office wird durch LibreOffice ersetzt, und Windows wird durch Linux abgelöst. Im vergangenen Jahr wurde eine umfassende Migration von Microsoft Exchange und Outlook auf Open-Xchange und Thunderbird durchgeführt, bei der 44.000 Postfächer mit 110 Millionen Kalendereinträgen und E-Mails transferiert wurden. Diese Umstellung ist Teil der finanziellen Neuregelungen, die ab Mai 2026 in Kraft treten.
Ein einzigartiges IT-Projekt
Schrödter bezeichnet das Vorhaben als eines der größten IT-Projekte einer Verwaltung weltweit. Schleswig-Holstein agiert wie ein Mischkonzern, der verschiedene Bereiche wie Innere Sicherheit, Finanzwesen und Bildung abdeckt. Die Vielfalt der IT-Anforderungen stellt eine besondere Herausforderung dar.
Vorbereitung und Schulung
Für die Einführung von Open-Xchange wurden umfangreiche Vorbereitungen getroffen. Insgesamt wurden 18 Schulungsvideos produziert, um die Mitarbeiter auf die neuen Systeme vorzubereiten. Die IT-Dienstleister haben in kürzester Zeit viel gelernt und waren bereit, auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten Lösungen zu finden.
Kontrolle über Updates und Weiterentwicklungen
Im Gegensatz zu herkömmlichen Softwarelösungen werden die Updates bei den 60.000 Rechnern zentralisiert und automatisch eingespielt. Schrödter hebt hervor, dass die enge Zusammenarbeit mit den Herstellern der Anwendungen und den Dienstleistern einen großen Vorteil darstellt. So können neue Funktionen, wie KI-gestützte Features, implementiert werden, um den Mitarbeitern die Arbeit zu erleichtern. Dies wird auch in dem Artikel über digitale Betrugsmaschen thematisiert.
Open Source als Geschäftsmodell
Schrödter erklärt, dass Open-Source-Lösungen nicht bedeuten, dass die Anbieter kein Geld verdienen. Stattdessen basiert ihr Geschäftsmodell auf Weiterentwicklungsaufträgen und Support. Dies ermöglicht eine Auswahl der Unternehmen, mit denen Schleswig-Holstein zusammenarbeitet, und schafft Unabhängigkeit von monopolistischen Preissetzungen.
Die Herausforderung der Fachanwendungen
Ein Problem stellt die enge Verknüpfung von Fachanwendungen wie SAP mit Microsoft Excel dar. Um die Umstellung auf Open-Source-Lösungen zu ermöglichen, müssen diese Anwendungen so angepasst werden, dass sie mit offenen Standards kommunizieren können. Schrödter betont, dass es wichtig ist, eine vielfältige Anbieterlandschaft zu schaffen, um echte digitale Souveränität zu erreichen.
Fazit: Echte digitale Souveränität
Schleswig-Holstein verfolgt mit diesem Schritt das Ziel, die Kontrolle über digitale Infrastrukturen zurückzugewinnen und Abhängigkeiten von großen Tech-Konzernen zu reduzieren. Schrödter schließt mit der Feststellung, dass echte digitale Souveränität nur durch den Einsatz von Open-Source-Lösungen erreicht werden kann.
Mit Dirk Schrödter sprach Frauke Niemeyer.
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Quellen: n-tv