In der Ärzteschaft herrscht derzeit große Unruhe über die anstehende Reform des Gesundheitssystems, die auf erheblichen Widerstand stößt. An diesem Mittwoch könnte es zu flächendeckenden Schließungen von Arzt- und Psychotherapiepraxen kommen. Zahlreiche Berufsverbände, einschließlich der Freien Ärzteschaft und Medi Geno Deutschland, haben dazu aufgerufen, die Praxen bundesweit zu schließen. Hintergrund ist das Reformgesetz, das die Sanierung der gesetzlichen Krankenversicherung zum Ziel hat und momentan im Bundestag debattiert wird. Merz unter Druck ist ein Beispiel für die Reaktionen auf solche Reformen.
Silke Lüder, Fachärztin für Allgemeinmedizin und stellvertretende Bundesvorsitzende der Freien Ärzteschaft, kritisiert die Einsparpläne scharf. Ihrer Meinung nach werden im Gesundheitswesen an den falschen Stellen Einsparungen vorgenommen, was gravierende negative Folgen für die ambulante medizinische Versorgung nach sich ziehen könnte, ohne die Sozialausgaben tatsächlich zu reduzieren.
Ärzte äußern besorgte Stimmen
Die angekündigten Einsparungen werfen bei den Mediziner:innen Besorgnis auf. Besonders problematisch wird die Streichung finanzieller Anreize für die rasche Vermittlung von Facharztterminen angesehen. Darüber hinaus soll die extrabudgetäre Vergütung für die Erstbefüllung und Aktualisierung der elektronischen Patientenakte wegfallen, was eine verstärkte Reglementierung ärztlicher Dienstleistungen zur Folge haben könnte.
Die Proteste innerhalb der Ärzteschaft sind laut und eindringlich. Siegfried Jedamzik, stellvertretender Vorsitzender von Medi Geno Deutschland, warnt, dass das geplante Gesetz die Patientenversorgung erheblich beeinträchtigen könnte. So könnten längere Wartezeiten, reduzierte Sprechstunden und ein Rückgang der Praxen die Folge sein.
Auswirkungen auf Praxen und Patientenversorgung
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) macht bereits darauf aufmerksam, dass Fachärzte derzeit für etwa 15 Prozent der durchgeführten Termine keine Vergütung erhalten. Das entspricht rund 40 Millionen unbezahlten Terminen jedes Jahr. Andreas Gassen, der Vorsitzende der KBV, warnt davor, dass eine weitere Kürzung der Honorare zu einem noch drastischeren Wegfall von Angeboten führen könnte.
Wieland Dietrich, der Vorsitzende der Freien Ärzteschaft, hebt hervor, dass die Einsparungen viele Ärzte dazu bringen könnten, ernsthaft über eine Schließung ihrer Praxen nachzudenken. Zudem fürchten junge Mediziner, eine Vertragsarztpraxis zu übernehmen, da die berufliche Zukunft als unsicher und prekär wahrgenommen wird.
Kritik an den wahren Kostentreibern im Gesundheitswesen
Die eigentlichen Kostentreiber, wie die Pharmaindustrie und staatliche Institutionen, bleiben laut Dietrich von den Einsparmaßnahmen unberührt. Er fordert stattdessen, dass der Staat versicherungsfremde Leistungen, die nicht direkt mit der medizinischen Versorgung in Verbindung stehen, aus Steuermitteln finanzieren sollte. Ein weiterer Kritikpunkt sind die Beiträge der Krankenkassen für Bürgergeldempfänger, die eine erhebliche Belastung für die Kassen darstellen.
Ein Blick in die Zukunft
Die Schließungen am Mittwoch sollen den Patienten einen Vorgeschmack auf die Herausforderungen geben, die sie in den kommenden Monaten erwarten könnten. Jedamzik erläutert, dass die Aktion dazu dient, die Patienten auf die bevorstehenden Veränderungen vorzubereiten.
Wie viele Ärzte sich letztendlich an der Protestaktion beteiligen werden, ist noch ungewiss. Norbert Smetak, Vorsitzender von Medi Geno Deutschland, berichtet jedoch von einer überwältigenden Resonanz und einer zahlreichen Unterstützung von Verbänden und Praxen für den Aufruf zur Schließung.
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Quellen: t-online, Berliner Arztpraxen könnten Mittwoch geschlossen bleiben
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