Ausblick: Wo neue Arbeitsplätze trotz stagnierender Wirtschaft entstehen
Die wirtschaftliche Stagnation in Deutschland hat spürbare Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Im August blieb die Nachfrage nach Arbeitskräften laut dem monatlich von der Bundesagentur für Arbeit ermittelten Stellenindex schwach. Diese Entwicklung wird als „Seitwärtsbewegung“ beschrieben, die sowohl Herausforderungen als auch Chancen mit sich bringt.
Aktueller Stand: Stellenabbau und -zuwachs im Überblick
Trotz der insgesamt stagnierenden Lage zeigen sich in verschiedenen Branchen positive Entwicklungen. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet der Arbeitsmarkt ein „leichtes Stellenplus“, insbesondere in den Bereichen:
- Öffentlicher Sektor
- Finanzwesen
- Energie- und Wasserwirtschaft
- Verarbeitendes Gewerbe
Allerdings bleibt die Situation auf dem Ausbildungsmarkt angespannt, wobei Azubis aus dem Ausland eine mögliche Lösung darstellen könnten.
Hintergrund: Demografische Veränderungen und Fachkräftemangel
Der demografische Wandel trägt erheblich zu den Lücken im Arbeitsmarkt bei. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass der Renteneintritt der sogenannten Babyboomer, also der geburtenstarken Jahrgänge von 1954 bis 1969, den deutschen Arbeitsmarkt stärker belasten wird als bisher angenommen. Bis 2036 erreichen jährlich rund 1,3 Millionen dieser Arbeitnehmer das Rentenalter.
Ein Beispiel ist das Schotter- und Steinwerk Weißenburg, wo Geschäftsführer Jens Geiger erklärt: „Einige Fachkräfte, die seit Jahrzehnten im Unternehmen sind, werden demnächst wegen ihres Alters ausscheiden. Die kann man nicht von heute auf morgen ersetzen.“
Risiken: Branchen im Wandel und Herausforderungen bei der Stellenbesetzung
Besonders betroffen von den Veränderungen sind die Branchen Gesundheit, Pflege und Erziehung. Bernd Fitzenberger, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), betont: „Hier gibt es weiter Bedarf, weiter unbesetzte Stellen. Aber auch im Handwerk, in vielen Verkaufsberufen und in der Gastronomie.“
Im Baugewerbe wird ebenfalls nach Arbeits- und Fachkräften gesucht, wobei viele Betriebe bereit sind, selbst auszubilden. Dennoch haben gerade kleine Betriebe im Handwerk Schwierigkeiten, geeignete Mitarbeiter zu finden. Fitzenberger hebt hervor, dass das Handwerk enormes Beschäftigungspotenzial bietet, jedoch bei jungen Menschen oft nicht populär ist.
In der Rüstungsindustrie hingegen zeigt sich ein deutliches Plus bei den Jobangeboten, während in der Automobilindustrie und bei deren Zulieferern Stellen abgebaut werden. Laut Fitzenberger ist die Verteidigungsindustrie in Deutschland jedoch ein vergleichsweise kleiner Sektor, der nicht alle Beschäftigten aus der Industrie aufnehmen kann, die derzeit ihre Arbeitsplätze verlieren.
Mobilität und Zukunftsausblick
Fitzenberger weist darauf hin, dass vor allem in den Metropolen ein Beschäftigungswachstum zu verzeichnen ist, insbesondere im Dienstleistungssektor. Wer auf Jobsuche ist, muss jedoch oft auch einen Umzug in Betracht ziehen. „Wenn günstiger Wohnraum fehlt, dann nützt mir natürlich ein tolles Jobangebot beispielsweise in München sehr wenig“, erklärt er.
Der erhoffte Aufschwung auf dem deutschen Arbeitsmarkt blieb bislang aus, auch aufgrund geopolitischer Spannungen, wie dem Iran-Krieg. Jens Geiger vom Schotter- und Steinwerk Weißenburg betont die Notwendigkeit von Planungssicherheit: „Wenn ich weiß, was auf mich zukommt, dann kann ich auch meine Zukunft planen und neue Leute einstellen und ausbilden.“
Wirtschaftsinstitute berichten von positiven Veränderungen, wie das ifo-Institut, das eine verbesserte Stimmung in der Exportwirtschaft feststellt. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht Anzeichen für eine Besserung. „So langsam scheint die deutsche Wirtschaft aber Fuß zu fassen“, sagt DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik. Dennoch wird es einige Zeit dauern, bis sich diese Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt niederschlagen.
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Quellen: tagesschau
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